3596163900

Die Frau des Zeitreisenden: Roman

Von:
Audrey Niffenegger

ISBN:
3596163900

Verlag:
FISCHER Taschenbuch

Erschienen:
2005-11-01

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Beschreibung

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Rezensionen (1)

 
Cassiopeia
24.05.2007 16:58

„Die Frau des Zeitreisenden“ von Audrey Niffenegger handelt von der großen, lebenslangen Liebe, die immer wieder verschwindet, aber doch nie weg ist. Symbol für diese Liebe ist Henry, der durch einen Gendefekt gezwungen ist, durch die Zeit zu reisen. Dabei landet er immer wieder bei Clare – der Liebe seines Lebens.

Als Clare Henry zum ersten Mal begegnet, ist sie sechs Jahre alt. Vor ihr steht ein unbekannter 36-Jähriger, der behauptet, aus der Zukunft zu kommen. Was sie nicht weiß: Henry sagt die Wahrheit. Er kommt aus einer Zeit, in der er bereits mit Clare verheiratet ist. Im Laufe ihrer Kindheit und Jugend trifft Clare immer wieder auf Henry und erfährt auch, dass er eines Tages ihr Ehemann sein wird. Mehr will Henry nicht verraten, „weil es nicht gut ist, Dinge im Voraus zu wissen. Das vermasselt dir dein Leben“, erklärt er seiner zukünftigen Ehefrau. Henry weiß ganz genau, wovon er dabei spricht: In der Zukunft hat er bereits einige Entdeckungen gemacht, die ihm ganz und gar nicht gefallen haben.

Auch wenn das Thema „große Liebe“ kitschig klingt: Das Buch ist es nicht. Das liegt unter anderem daran, dass Henrys Zeitreise-Zwang als eine unkontrollierbare Krankheit dargestellt wird. Henry leidet darunter, kein geregeltes Leben führen zu können. Aber auch die Beziehung zwischen Henry und Clare ist alles andere als perfekt: Die beiden sind kein ideales, romantisches Liebespaar, sondern ganz normale Menschen. Henry ist Bibliothekar, Clare schlägt sich als bildende Künstlerin durchs Leben. Die beiden hören gerne amerikanischen Punk, haben gelegentlich Probleme mit ihren Eltern und leiden unter Henrys unfreiwilligen Ausflügen in die Zeit.

Der Leser begleitet Clare und Henry durch ihr gemeinsames Leben. Dabei erlebt er die ständigen Höhen und Tiefen in der Partnerschaft, die allzu oft von Henrys Zeitreisen ausgelöst werden. Was Henry auf seinen unfreiwilligen Ausflügen in die Zeit erlebt, darf der Leser genauso verfolgen wie Clares Ungewissheit und das Warten auf die Rückkehr ihres Mannes. „Jeder Augenblick des Wartens erscheint mir wie ein Jahr, wie eine Ewigkeit. Jeder Augenblick ist träge und durchsichtig wie Glas. Hinter jedem Augenblick sehe ich endlos aneinander gereihte Augenblicke warten. Warum ist er fort, und ich kann nicht mitkommen?“, fragt sich Clare jedes Mal aufs Neue.

Audrey Niffenegger hat mit ihrem Debütroman ein außergewöhnliches Buch geschrieben. Die Geschichte ist neu und gut durchdacht, die Personen lebendig und ganz nah, die Gefühle so eindringlich, dass man stellenweise weinen möchte. Dabei sind es hauptsächlich Henrys Zeitreisen, die den Leser auch zum Schmunzeln bringen. Etwa dann, wenn der 24-jährige Henry sein 5-jähriges Ich auf seiner ersten Zeitreise in ein Museum begleitet und den Museumsführer spielt. Manchmal kommt Henry auch gerade rechtzeitig, um sein anderes Ich aus einer brenzligen Situation zu befreien. Genau wie die Begegnungen mit der jungen Clare verleihen diese Szenen dem Buch einen einzigartigen Charme.

Die Entwicklung der Hauptpersonen ist logisch nachvollziehbar: So erkennt Clare mit der Zeit, dass Henry sie in ihrer Kindheit nicht besucht hätte, wenn er sie in der Gegenwart nicht gelegentlich verlassen würde. Und hätte Clare Henry in ihrer Kindheit nicht kennen gelernt, hätte sie ihn in der Gegenwart vielleicht niemals angesprochen. Durch diese Erkenntnisse fällt es Clare leichter, immer wieder auf Henry warten zu müssen. Als Frau eines Zeitreisenden bleibt ihr auch gar nichts anderes übrig.

Einziger Wermutstropfen des Buchs ist die Komplexität der Geschichte: Erst wenn man sich durch die ersten hundert Seiten des Buchs gearbeitet hat, versteht man das System, das hinter Henrys Zeitreisen steckt. Dann kann man auch nachvollziehen, warum er sich in der Vergangenheit selbst begegnen kann oder warum er Dinge weiß, die er eigentlich nicht wissen kann. Wenn man diesen Punkt erreicht hat, ist das Buch einfach himmlisch. Ein Schmöker, den man erst aus der Hand legen kann, wenn man ihn zu Ende gelesen hat. Und genau wie Clare weiß man dann endlich auch genau, wann und wo Henry auftauchen wird. „Diesmal weiß ich, Henry wird endlich kommen. Er wird kommen und ich bin da.“

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