Christianlazar
Geschrieben von ChristianLazar über There Will Be Blood Star5
28.04.2008 20:10

Es gibt Filme die gut sind, man sieht sie im Kino und ist beeindruckt. Es gibt aber Filme, die auch sehr gut sind, aber auf einen anderen Skala. Vielleicht unterhält der Film nicht so gut wie ein anderer guter Film, vielleicht ist er sperriger als 90% der Filme, die man normalerweise sieht, aber man weiss, dass der Film ist Klassiker sein wird, dass es ein Werk ist mit Anspruch ist, das Geduld erfordert, das wenn es aber seine gesamte Kraft offenbart, sehr viele andere Filme in seinen Schatten stellt. So ein Film ist "There Will Be Blood".
Bereits in den Anfangssekunden ist "There Will Be Blood" erhaben, in Kubrick-Manier sitzt man vor einem schwarzen Bild, während unruhige Geigen anschwellen.
Kalifornien, 1898. Daniel Plainview (Day-Lewis) gräbt nach Gold. In diesen ersten Minuten, die ohne auch nur ein gesprochenes Wort auskommen spürt man wahrlich wie die Atmosphäre den Zuschauer bedrückt. Gute zehn Jahre später gräbt Plainview nach Erdöl. Die Anfänge dieser Industrie werden sehr detailliert und realitätstreu gezeigt. Das spricht für sehr gute Recherche, aussergewöhnliches Set-Design. Es geht um schwarze Brühe im Boden, jedoch weiss man, wenn man etwas auf die Musik hört, dass es um mehr geht. Nämlich um den "american dream", aber eher um seine Kehrseite. Ein Arbeiter stribt in der Bohrung, Plainview passt danach auf sein Sohn auf.
Nach vierzehn Minuten ertönen die ersten Worte, Plainview stellt sich vor. Es ist 1911, er ist bereits ein wohlhabender Ölmagnat. "This is my son and my partner H.W. Plainview", den Sohn seines ehemaligen Mitarbeiters benutzt er, um Land zu kaufen, allerdings lehrt er ihm auch genau, wie das Geschäft funktioniert. Eines Nachts bekommt Plainview Besuch: es ist ein Junge aus einem Dorf, der sagt, es kennt dort Land, dass billig gekauft werden kann und das Öl hat. Er heisst Paul Sunday, und das Land, dass er Plainview preisgibt ist die Ranch seiner Familie. Plainview macht sich natürlich sofort auf den Weg um dieses Land zu kaufen. Es geht um das Dorf Little Boston, eine kleine Gemeinde, zusammengehalten durch Eli Sunday (Paul Dano), einem Prediger. Als Plainview fast das gesamte Dorf aufkauft und anfängt zu bohren, wird das neutrale Bussines-Verhältnis zwischen ihm und Eli langsam eher zur Feindschaft...es geht um Geld, um Glauben, um Ambition.
Ist Plainview böse? Oder Eli Sunday? Oder beide?
Hier kommen die erstklassigen Schauspielleistungen zum Vorschein. Day-Lewis fackelt wahrlich die Leinwand ab. Seine Performance ist nur mit der von Jack Nicholson in "The Shining" zu vergleichen, wo er vom normalen Mann zum Monster mutiert. Day-Lewis betreibt hier overacting, er kann es sich aber leisten. Paul Dano spielt überraschend gut den Gegenpart von Daniel Plainview, ein Prediger, ein Soldat Gottes, nicht minder wahnsinning als der Protagonist.
Paul Thomas Anderson treibt hier ein gefährliches Spiel. Es gibt keine sympathische Figur in diesem Film, die beiden Hauptfiguren sind verabscheuungswürdige Menschen. Man kann sich vielleicht mit einem indentifizieren, aber man ist nicht sonderlich darüber erfreut. Anderson, bekannt für seine Meisterwerke "Magnolia" und "Boogie Nights", der bisher eher mit grossen Ensemble-Casts zusammengearbeitet hat, hat hier zwei sehr komplexe Charaktere erschaffen. Dies ist kein Film über Erdöl, über Religion, dies ist ein Film über Daniel Plainview. Das soll aber nicht heissen, dass die anderen Themen nicht behandelt werden. Das ganze wird von wunderschönen Bildern untermalt, einer manchmal schnellen, manchmal stillen Kamera. Die Musik dieses Filmes ist ein Werk für sich, komponiert vom Radiohead-Gitarristen Jonny Greenwood haben wir es hier mit einer modernen, agressiven Klassik zu tun, die den Absturz in den Wahnsinn bestens begleitet.
Mit "There Will Be Blood" liefert Paul Thomas Anderson einen eigenwilligen, sperrigen Beitrag über wichtige Themen, die besonders auf die USA zutreffen. Dieser Mammut von Film trampelt auf den Zuschauer herum, verwirrt und erdrückt ihn.
Wenn Kubrick einen Western gedreht hätte, wäre er sehr ähnlich geworden.

 
 

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