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Rezensionen (13)

 
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29.09.2013 17:25

Die Cellistin Rebecca Foon dürfte einigen als Mitglied von Set Fire To Flames oder Thee Silver Mt Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band bekannt sein. Und falls nicht wird es mal Zeit.
Saltland ist jetzt also ihr Solo-Projekt, und bei diesem Album handelt es sich um das Debüt. Bei Constellation Records erschienen bleibt es auch der Linie des Labels treu (GY!BE, Matana Roberts, Colin Stetson), nach der den Künstler anscheinend viele Freiheiten gegeben werden.
Es schlängelt sich etwas mysteriöses um diese Töne, die hier einem entgegen kommen. Seien es die Streicher, die über einen hinwegziehen und sich am Himmel befestigen, deren Kontrast dazu der Boden der leichten Perkussion darstellt. Sei es die Tatsache, dass auf die Schnelle Mitglieder von Arcade Fire hier mitwirken oder Colin Stetson mit seinem brutalen Saxophonspiel einfach mal aushilft. Hier entstehen Bilder zur Musik; ich sehe, passend zum Titel, den Salar de Uyuni vor mir wie vor ein paar Jahren, unten weiß, oben blau, eine spiegelglatte Oberfläche, in welcher der Boden in den Himmel, der Himmel in den Sand projiziert wird. Eine unwahrscheinliche Fusion aus Streichern, Perkussion und leichten Beats, die aber im perfekten Gleichgewicht ist. Weite Landschaften, die mindestens genau so weit gehen wie die Gedanken beim Abspielen dieses überaus guten Albums, dass als ein Debut Lust auf mehr macht und dessen schönste Qualität es ist, dass es einfach nach etwas eigenständigem klingt, losgelöst von Allem.
So losgelöst, dass man sich manchmal wünschen könnte, dass es nur ein bisschen greifbarer wäre.

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Geschrieben von ChristianLazar über The Tree of Life Star5
03.10.2011 19:59

Malick setzt mit "The Tree Of LIfe" nun zu seinem fünften Film an und will in diesem dem Zuschauer seine Vision über den Sinn des Lebens veranschaulichen. Terrence Malick ist ein Philosoph, der seinen Weg zum Film recht spät fand. In seiner etwas über vier Jahrzehnte überspannende Karriere hat er bisher bei nur fünf Titeln Regie geführt. Allerdings nach dem Motto: "Wenn schon, denn schon". Seine Werke werden im allgemeinen gut von den Kritikern empfangen, lösen meistens bei den Zuschauer aber gemischte Meinungen aus. Seine Filme wie "Badlands" und "The Thin Red Line" kann man fast schon als Klassiker der Filmkenner bezeichnen- sie zeichnet eine hohe handwerkliche und atmosphärische Qualität aus. Seine Filme sind reich an Voiceover-Überlegungen und vor allem bildgewaltig. Seine Zusammenarbeit mit Emmanuel Lubezki in diesem und seinem vorigen Film (The New World) bringt eine Vielfalt an Bildern aus der Natur, anregende Kompositionen und auch die nötige Experimentierfreude mit sich. Malick setzt sich mit oft mit Naturthemen auseinander, wobei auch immer die menschliche Seite einbezogen wird. Grundfragen wie "Ist der Mensch von Natur aus böse?" oder "Ist illegal gleich böse?" gehören dazu.
Malick verbindet in seinen Filmen auch zwei seiner Leidenschaften: Musik und Philosophie. Bei der Vielseitigkeit seiner Filme, vor allem was die Atmosphäre angeht, macht sich das deutlich bemerkbar. Seine starke musikalische Untermalung ist letztendlich- wie alles- Geschmackssache. Ein Vergleich dazu wäre eventuell "2001 - A Space Odyssey".
Nach einer Sekunde weiß man bereits, dass man einen Malick-Film guckt. Es werden zwei mögliche Wege durchs Leben genannt, der Weg der Natur oder der Weg der Gnade. Ab da beginnt die Bilderflut und diese reißt bis zum Schluss nicht ab. Anhand des Todes einer ihrer Söhne wird Mrs. O'Brien depressiv und die Familienmitglieder kommen ins Grübeln. Die Figuren beginnen dann mit einer Rekapitulation ihrer Tage an der Seite des Verstorbenen.
In diesem Moment verliert sich die Handlung und es wird die Entstehung des Universums, allen Lebens präsentiert. Bildgewaltig fliegen astronomische Körper durch die Leinwand, die göttliche musikalische Untermalung verstärkt die majestätische Wirkung dieser Bilder. Nach dem das Leben an sich erklärt wird, kehrt die Handlung wieder zu den O'Briens zurück.
Nun ensteht ein anderes Leben: es werden nach und nach die drei Söhne geboren. Man sieht wie sie lernen zu gehen, wie sie miteiander auskommen. Man sieht auch das Mutter-Sohn und das Vater-Sohn-Verhältnis gut dargestellt. Der Film spielt in den 50er-Jahren und somit ist der Vater das Alphatierchen, der harte, disziplinierte Mann. Die Mutter dagegen ist engelsgleich und sanft, gnädig eben.
Jack, der ältere der Jungs kann seine Eltern nie richtig einordnen. "Ewig ringt ihr in mir", äußert er. Um diese Problematik darzustellen bedient sich Malick nicht mit einer wahren Handlung, sondern wie gesagt einem gewaltigen Bilderstrom. Die einzelnen Szenen sind nicht als Voraussetzung für die nächsten Szenen zu verstehen, sondern eher als Eindrücke und Erinnerungen, sowie wenn man sich jetzt hinsetzt und über seine Kindheit nachdenkt. Lose Stimmungen werden geschildert, Blicke, Laute, bestimmte Momente. In diesem Film hat Malick eindeutig die erzählerischen Strukturen hinter sich gelasen: die Atmosphäre steht im Vordergrund.
Manche Details sind auch erwähnenswert: viele Dinge habe ich in meiner Kindheit auch so erlebt (Als Erklärung noch dazu, ich bin in Costa Rica aufgewachsen). Das fängt bei so Kleinigkeiten wie den Gläsern an. Kinder tranken bei mir immer aus Aluminiumgläser. Auch dieses respektvolle Nachbarschaftsgefühl habe ich auch erlebt und somit wurden Eltern von Freunden NIE geduzt. Die Eltern heißen übrigens Mr. und Mrs. O'Brien- sehr konsequent. Es sind einfach Kleinigkeiten, die den Film groß machen.
Letztendlich ergibt sich aus dem Ganzen dass..., ja, was eigentlich? Anschauen und selber herausfinden! Diesen Film kann man sowieso nicht bewerten, denn er schwebt, draußen, im Universum und bis ans Ende von Raum und Zeit.

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Geschrieben von ChristianLazar über No Country for Old Men Star5
09.09.2008 01:09

Das Regie-Duo die Coen-Brüder, die vielen durch „Fargo“ bekannt sein müssten, verstehen es kuriose Geschichten zu erzählen, sowie etwa in „Ladykillers“, oder auch „O brother, where art thou?“. Zu ihren Handlungen gehört meistens auch eine Prise dunkler Humor, der in „No Country for Old Men“ (meines Erachtens nach) aber etwas kurz kommt. Das ergibt aber keinesfalls einen schlechten Film, ganz im Gegenteil.

Unsere Welt befindet sich in einem Generationswandel. Diese gab es schon immer, keine Frage, aber momentan spielen viele Faktoren mit, unter anderem technologische Fortschritte, die manchmal älteren Leuten nicht mehr zugänglich sind. Aber nicht nur das, wir machen auch eine große moralische Wandlung durch. In den USA gibt es Überfälle auf Senioren, in Afrika brodeln Konflikte mit Kindersoldaten, es scheint, als wäre die Welt nichts weiter als Chaos. Allen kann das zusetzen, aber die älteren trifft es meistens am härtesten.

Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) ist seit Jahren im Namen des Gesetzes tätig. Sein Leben ist ruhig, im Texas der achtziger gibt es wenig für ihn zu tun, ihm fehlt auch nicht mehr lange bis zur Pensionierung. Anton Chigurh (Javier Bardem), ein gesuchter Mörder, wird gefasst. Währenddessen ist Llewelyn Moss (Josh Brolin) konzentriert auf Jagd und umso mehr ist er überrascht, als er aus der Ferne eine Ansammlung von Autos inmitten der Wüste findet. Als er sich nähert und die Umgebung absucht merkt er, dass es sich dabei um einen fehlgeschlagenen Drogendeal gehandelt hat. Nach etwas längerem Suchen findet er auch eine große Beute, größer als jedes Tier was er möglicherweise geschossen hätte- ein Koffer voll mit Geld. Da weit und breit niemand ist überlegt er nicht lange und krallt sich das Geld. Chigurh wird, nachdem er aus dem Gefängnis entkommt, von Drogenbossen unter Vertrag genommen, um das Geld wieder zu beschaffen und jeden auszuschalten, der mit dem Verschwinden des Koffers zu tun hatte. Moss bekommt es zu spüren, dass jemand hinter ihm her ist, und somit beginnt er zu flüchten. Das Geld ist für ihn die Möglichkeit, sein Leben zu bessern. Allerdings ist Chigurh nicht irgendein Killer, sondern sehr intelligent und kaltblütig. Sheriff Ed Tom Bell verfolgt das ganze Chaos dass Chigurh hinterlässt aber kann nichts tun, um es zu verhindern. Er kann nicht. Er versteht Chigurh einfach nicht. Das Katz-und-Maus-Spiel erreicht in unvergesslichen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Hauptfiguren ihren Höhepunkt und bietet uns auch eine sehr interessante Wendung...

Ganz oberflächlich betrachtet handelt es sich bei „No Country for Old Men“ um einen Actionfilm, der eine sehr tolle Verfolgungsjagd bietet. Bei genauerem Hinsehen ist „No Country for Old Men“ aber ein Essay an den momentanen Status der US-amerikanischen Gesellschaft, der durch die allesamt sehr guten Leistungen der Schauspieler erst richtig greifbar wird. Neue Werte vs. alte Werte, und am Ende gibt es kein Land weder für Alte noch für Junge, sondern für den, der keine Werte oder Moral hat.

Ist das die neue Moral? Gibt es überhaupt noch Moral?

In Sachen Qualität ist das neue Werk der Coen-Brüder gleichauf mit dem anderen Mammut des vergangenen Jahres: „There Will Be Blood“. Gute Story und ein gut überlegtes Motiv kennzeichnen diesen Film, der wirklich äußerst wertvoll ist.

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Geschrieben von ChristianLazar über There Will Be Blood Star5
28.04.2008 20:10

Es gibt Filme die gut sind, man sieht sie im Kino und ist beeindruckt. Es gibt aber Filme, die auch sehr gut sind, aber auf einen anderen Skala. Vielleicht unterhält der Film nicht so gut wie ein anderer guter Film, vielleicht ist er sperriger als 90% der Filme, die man normalerweise sieht, aber man weiss, dass der Film ist Klassiker sein wird, dass es ein Werk ist mit Anspruch ist, das Geduld erfordert, das wenn es aber seine gesamte Kraft offenbart, sehr viele andere Filme in seinen Schatten stellt. So ein Film ist "There Will Be Blood".
Bereits in den Anfangssekunden ist "There Will Be Blood" erhaben, in Kubrick-Manier sitzt man vor einem schwarzen Bild, während unruhige Geigen anschwellen.
Kalifornien, 1898. Daniel Plainview (Day-Lewis) gräbt nach Gold. In diesen ersten Minuten, die ohne auch nur ein gesprochenes Wort auskommen spürt man wahrlich wie die Atmosphäre den Zuschauer bedrückt. Gute zehn Jahre später gräbt Plainview nach Erdöl. Die Anfänge dieser Industrie werden sehr detailliert und realitätstreu gezeigt. Das spricht für sehr gute Recherche, aussergewöhnliches Set-Design. Es geht um schwarze Brühe im Boden, jedoch weiss man, wenn man etwas auf die Musik hört, dass es um mehr geht. Nämlich um den "american dream", aber eher um seine Kehrseite. Ein Arbeiter stribt in der Bohrung, Plainview passt danach auf sein Sohn auf.
Nach vierzehn Minuten ertönen die ersten Worte, Plainview stellt sich vor. Es ist 1911, er ist bereits ein wohlhabender Ölmagnat. "This is my son and my partner H.W. Plainview", den Sohn seines ehemaligen Mitarbeiters benutzt er, um Land zu kaufen, allerdings lehrt er ihm auch genau, wie das Geschäft funktioniert. Eines Nachts bekommt Plainview Besuch: es ist ein Junge aus einem Dorf, der sagt, es kennt dort Land, dass billig gekauft werden kann und das Öl hat. Er heisst Paul Sunday, und das Land, dass er Plainview preisgibt ist die Ranch seiner Familie. Plainview macht sich natürlich sofort auf den Weg um dieses Land zu kaufen. Es geht um das Dorf Little Boston, eine kleine Gemeinde, zusammengehalten durch Eli Sunday (Paul Dano), einem Prediger. Als Plainview fast das gesamte Dorf aufkauft und anfängt zu bohren, wird das neutrale Bussines-Verhältnis zwischen ihm und Eli langsam eher zur Feindschaft...es geht um Geld, um Glauben, um Ambition.
Ist Plainview böse? Oder Eli Sunday? Oder beide?
Hier kommen die erstklassigen Schauspielleistungen zum Vorschein. Day-Lewis fackelt wahrlich die Leinwand ab. Seine Performance ist nur mit der von Jack Nicholson in "The Shining" zu vergleichen, wo er vom normalen Mann zum Monster mutiert. Day-Lewis betreibt hier overacting, er kann es sich aber leisten. Paul Dano spielt überraschend gut den Gegenpart von Daniel Plainview, ein Prediger, ein Soldat Gottes, nicht minder wahnsinning als der Protagonist.
Paul Thomas Anderson treibt hier ein gefährliches Spiel. Es gibt keine sympathische Figur in diesem Film, die beiden Hauptfiguren sind verabscheuungswürdige Menschen. Man kann sich vielleicht mit einem indentifizieren, aber man ist nicht sonderlich darüber erfreut. Anderson, bekannt für seine Meisterwerke "Magnolia" und "Boogie Nights", der bisher eher mit grossen Ensemble-Casts zusammengearbeitet hat, hat hier zwei sehr komplexe Charaktere erschaffen. Dies ist kein Film über Erdöl, über Religion, dies ist ein Film über Daniel Plainview. Das soll aber nicht heissen, dass die anderen Themen nicht behandelt werden. Das ganze wird von wunderschönen Bildern untermalt, einer manchmal schnellen, manchmal stillen Kamera. Die Musik dieses Filmes ist ein Werk für sich, komponiert vom Radiohead-Gitarristen Jonny Greenwood haben wir es hier mit einer modernen, agressiven Klassik zu tun, die den Absturz in den Wahnsinn bestens begleitet.
Mit "There Will Be Blood" liefert Paul Thomas Anderson einen eigenwilligen, sperrigen Beitrag über wichtige Themen, die besonders auf die USA zutreffen. Dieser Mammut von Film trampelt auf den Zuschauer herum, verwirrt und erdrückt ihn.
Wenn Kubrick einen Western gedreht hätte, wäre er sehr ähnlich geworden.

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Geschrieben von ChristianLazar über Abbitte (Atonement) Star3
28.04.2008 19:33

Da es Joe Wright mit "Pride and Prejudice" nicht sonderlich schlecht ging, entschied er sich scheinbar nochmal dafür, einen Roman von Ian McEwan zu verfilmen, wieder mit Keira Knightley an Bord. Dieses Mal gesellt sich allerdings James McAvoy hinzu.
Wir befinden uns im England der 30er, im Anwesen der Tallis. Briony hat gerade ihr Theaterstück beendet, und sieht dabei eine Szene zwischen ihrer älteren Schwester Cecilia (Knightley) und dem Gärtner (McAvoy), die sie falsch interpretiert. Was sie nicht ahnt, ist dass zwischen den beiden möglicherweise eine Romanze am warmwerden ist. Briony erhält danach auch von Robbie (McAvoy) einen Brief, den sie Cecilia geben muss, den sie ohne Erlaubnis liest, um so etwas zu erfahren, was sie nie hätte wissen sollen. Es kommt, wie es kommen muss, Briony verpetzt die beiden und ausserdem beschuldigt sie Robbie an einer Vergewaltigung, der er nicht begangen hat. Robbie wird in den Knast gesperrt und Cecilia hasst bis ans Ende ihrer Tage ihre kleine Schwester. Danach spielt der Film abwechselnd in Frankreich und England, das Leben von Cecilia und Robbie wiedergebend. Ab da verliert "Atonement" wirklich jede Qualität, der Film wird einfach nur noch lästig und langatmig. Ich war kurz davor, den Kinosaal vor Schluss des Filmes zu verlassen (wäre übrigens das erste Mal, das ich das getan hätte). Die Zeitsprünge in der Handlung sind manchmal sehr gut gelungen, manchmal aber auch überflüssig. Somit kann man den Film meiner Ansicht nach recht einfach zusammenfassen: gute Darsteller, starker Anfang, nach der Verhaftung von Robbie wird der Film aber jede Minute schlechter. Die Musik ist ganz nett, allerdings ähneln sich die Stücke sehr, der Schreibmaschinenstomp ist aber dennoch ziemlich innovativ und nett. Allerdings ist für mich der Oscar unverdient, denn es gab weit bessere Soundtracks im letzten Jahr, allen voran der von "There Will Be Blood".

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Geschrieben von ChristianLazar über In Rainbows Star5
02.01.2008 10:28

"Dedicated to all you, all human beings"

Am 1. Oktober kam plötzlich die Nachricht, auf die viele mehrere Jahre gewartet haben. Neues Album, "In Rainbows", in 10 Tagen, als Download verfügbar oder auch zum kaufen in einer Discbox zum Wert von 40 Pfund. Eine überraschende und neue Art, ein Album zu vermarkten. Die Qualität der Download-Songs war zwar nicht sehr gut, man konnte sich aber dennoch einen guten Eindruck machen, was da auf uns zukommen würde. Dann wurde bekannt, dass genau zum Ende des Jahres 2007 eine CD erscheinen würde, ich habe dann auf diese Tage gewartet um eine Rezension anzufertigen. Ich bin einer der, die sich am 10. Oktober das Album "gesaugt" haben und somit konnte die Musik schon etwas reifen, wobei das bei Radiohead immer relativ ist, denn man kann nach Jahren noch was neues erkennen.

Zum Beispiel, dass sie sich immer wieder etwas gutes für ihre Songs einfallen lassen, Stile wie wenige Bands es können vereinen und etwas eigenes draus machen. "15 Step" beginnt mit energischen Zuckungen, ein treibender, geladener Beat verpasst uns eine Ohrfeige. Gesang setzt ein, man merkt hier schon: Yorkes Stimme ist auf "In Rainbows" der Mittelpunkt, sie wurde besonders markant gemacht. Als bei etwa 0:40 die Gitarre einsetzt, schwebt man bereits im siebten Himmel. Blues-Gitarre auf einem Technobeat vereint, es klingt chaotisch, ist aber in der Tat wunderschön und harmonisch. Das neue, das alte, das traurige und treibende auf ein Mal. Eindeutig der erste Leckerbissen der Platte! In "Bodysnatchers" wird der Verlust der Individualität angesprochen, unterstützt mit den kratzigsten Gitarren, die ich jemals gehört habe. Allein die Introsekunden bestizen eine unglaubliche Energie, die bis zum Ende dieser dreiminütigen Ekstase erhalten bleibt. Gegen Ende wird die Musik schneller, hektischer, um plötzlich zu stoppen um "Nude" einzuleiten. Hierbei kann es gut um einen der schönsten Songs von Radiohead handeln. Der Song beginnt sehr langsam, findet dann langsam seinen Schritt und kommt in Schwung, wenn der Bass einsetzt. Zum ersten Mal hört man hier kurz die Streicher im Einsatz, die auf "In Rainbows" das neueste Feature sind.
Es ist schon interessant, wie Radiohead hier sehr verschiedene Stile miteinander verwebt und die Musik dennoch sehr schön und harmonisch klingt. Waren "Kid A" oder "Amnesiac" zweifelslos sehr große Alben, ist "In Rainbows" vielmehr einfach das "schöne" Album. Die Musik bleibt hier bis auf "15 Step" und "Videotape" den Gitarren treu und erschafft dadurch ungeahnt tolle Klanglandschaften. Der Unterschied ist die Art, wie diese Ästhetik erreicht wird. Tat es auf "Kid A" das sehr elektronische und kalt-misteriöse "Idioteque" tut es auf diesem Album "Weird Fishes/Arpeggi", mit 3 Gitarren die sich gegenseitig fast zu verdrängen versuchen, indem jede eine schönere Linie als die andere spielt, um dann am Ende unerwartet an Rythmus zu gewinnen, die Outro unvergesslich machend. "All I Need" ist wieder ein Beweis dafür, dass Liebeslieder nicht kitschig sein müssen. Radiohead lässt sich hier mal etwas gehen, der Text hat mit Politik nichts zu tun, es wird auch kein Krieg, kein Gesellschaftsproblem genannt, es geht um Anderes. Keine intelektuelle Verkrampfung, die meinen Lieblingsbriten früher oft vorgeworfen wurde. "Rise and shine", heisst es in "Faust Arp", der rein akustisch gehaltene Song, der vor Schönheit und Schlichheit einfach nur so strahlt und einem wirklich die Seele wärmt. Das Zentrum dieses Werks bildet aber allerdings "Reckoner", das misteriös-zauberhaft mit einem leichten Trommeln eingeleitet wird, auf dem sich danach eine ruhige, aber wiederrum auch unruhige Gitarre schwingt, um für die für die Radiohead so typische musikalische Schizophrenie zu sorgen. Hier wird auch textliche das beste geboten, obwohl man wirklich keine Ahnung hat, wovon Yorke und seine Mannen hier reden, ist es einfach toll ihnen zuzuhören. In der Mitte gibt es einen Break, in dem wieder Streicher einsetzen, sich danach über denTrommeln erhalten, und das Lied zu einem tollen Ende führen, zurück in die Traumwelt, wohin es gehört. Für mich eindeutig das Highlight von "In Rainbows".
Unterschiede, Gegensätze, aber doch harmonisch. Das sind die Merkmale dieses Albums, denn gleich nach "Reckoner" kommt das ruhige, fast zu entspannte und simple "House of Cards". Wenn dann in diesem gleichmäßigen Beat es "Denial, denial" heisst, versteht man etwas. Was genau, weiss ich auch nicht. "There is nothing to explain" heisst es danach in "Jigsaw Falling Into Place", dass früher als "Open Pick" bekannt war. Eine akustische Gitarre paart sich mit elektrischen, mit glasklarem Sound, schnellem Schlagzeug und tollem Text = Radiohead at their best. Ich meine, nach 20 Jahren Musizieren kommt halt so etwas raus, das hört man deutlich. Anspieltipp Nummer drei. Mit "Videotape" kommen einem die fast die Tränen, dieser Akkord, und vor allem der Text. Es spricht alte Zeiten an, weg von der DVD, von der Technik, "This will be on my videotape, my videotape/I have it all here, in red, blue, green, in red, blue, green". Und wie immer, gibt es einen Abschied als Ende auf einer Radiohead-CD.

Was die Herren auf Oxford hier abgeliefert haben, ist feinste Ware. Dieses Album hat alles, Stellen zum Nachdenken, Stellen zum Headbangen, Stellen zum Mitsingen und andere, um einfach nur ein bisschen traurig nachdenklich zu sein. Seit langer Zeit vereint Radiohead ja mehrere Stile in ihrer Musik, es gibt aber auf in Rainbows Songs, die das intensiver machen, wie z.B. "15 Step". Ich finde sowas erfordert viel Talent, und davon hat diese Band wirklich sehr viel. Dieses ist auch mit "The Bends" oder "OK Computer" das zugänglichste Radiohead-Werk. Die Musik ist etwas fröhlicher als früheres Material, aber es ist nicht komplett rosa. Wie ein Regenbogen eben, bevor die Sonne scheint und man ihn sehen kann, muss es geregnet haben.

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Geschrieben von ChristianLazar über Transformers Star4
30.08.2007 04:37

Alte Spielzeuge, mit denen viele groß geworden sind, ein Produzent, der zu den erfolgreichsten dieser Zeit gehört und ein Regisseur, der Actionszenen zu seiner Spezialität gemacht hat sind die Zutaten, mit denen uns in diesem Sommer unsere Blockbusterspeise zubereitet wird.
Als bekannt wurde, dass Michael Bay bei "Transformers" Regie führen würde, gingen die Erwartungen vieler baden. Ironisch ist daran, dass "The Island," der einzige Film von Bay mit einem gewissen Maß an Anspruch, an den Kassen total floppte. Viele sagten auch den "Transformers" dieses Schicksal zu, nur Optimisten widersagten. Spätestens nach dem ersten Teaser im Kino war mir klar, dass dieser Film der größte des Sommers 2007 werden sollte.
Also worum geht es?

"In the beginning, there was The Cube..", Optimus Prime.

Die Transformers sind eine außerirdische Roboterrasse, die sich in zwei Lager aufteilen, nämlich den guten Autobots, angeführt von Optimus Prime und den bösen Decepticons, angeführt von Megatron. Diese zwei Fraktionen bekriegen sich seit tausenden von Jahren um ein Objekt, nämlich dem Allspark (gelegentlich auch Cube gennant). Dieses Objekt verfügt über die Macht, aus Objekten, mechanisches Leben zu erschaffen. Somit hat der, der den Allspark hat, die Macht, also wird um dieses Ding ein verheerender Krieg geführt. Die Autobots wollen es, um ihren Heimatplaneten, der wegen dem Krieg komplett zerstört wurde, wiederherzustellen. Die Decepticons, eigentlich eher Megatron will es, um eine riesige Armee zu erschaffen, um so das Universum zu erobern. Leider befindet sich dieser Allspark auf der Erde, und somit verwandelt sich unser Planet in diesem Film mehr oder weniger zum Schlachtfeld der Roboter. Erstes Beispiel dafür ist die erste Szene: der Decepticon Blackout nimmt in wenigen Minuten eine US-Militärbasis auseinander und versucht, bestimmte Informationen aus ihrem Netzwerk zu erhalten. Irgendwas mit einem Witwicky...

Bay schaltet ein Gang runter, eine neue Story wird eingeleitet. Sam Witwicky (Shia LaBeouf), eher ein Außenseiter, ist auf das schärfste Mädchen der Schule, Mikaela (wirklich scharf: Megan Fox) heiß und will sie unbedingt für sich gewinnen. Am besten eignet sich dazu natürlich ein Auto, welches sein Vater ihm auch für diesen Tag versprochen hat. Alter Schinken, klar, aber nie war eine Autopanne witziger, eine Mechanikerin schöner als hier. Als das Auto dann wirklich anspringt, und "Baby come back" aus dem Radio tönt, muss man einfach nur lachen. Diese Gags, diese Gemütlichkeit ist aber dringend notwendig, denn was danach abgeht ist bisher noch zuvor auf einer Leinwand zu sehen gewesen.
Sams Familie wird vorgestellt, sein Auto flüchtet in der Nacht und verfolgt ihn am Tag danach, als plötzlich jemand etwas aus Ebay will.

"...fate has yielded its reward: a new world to call home. We live among its people now in plain sight, but watching over them in secret, waiting, protecting. I have witnessed their capacity for courage, and though we are worlds apart, like us, there's more to them than meets the eye. I am Optimus Prime, and I send this message to any surviving Autobots taking refuge among the stars. We are here. We are waiting.“, Optimus Prime.

Ich verrate ab dieser Stelle nichts mehr zur Story.

Auf jeden Fall lässt sich sagen, dass die Geschichte der Transformers, so lächerlich das auch klingen mag, sehr geschickt mit der Geschichte der zwei Teenies zusammengeführt wird und alles sogar glaubwürdig erscheinen lässt. Das ist meiner Ansicht nach der Schlüsselpunkt von "Transformers". Hätten die Roboter keinerlei Verbindung zu den Menschen, wäre der FIlm wohl ziemlich in die Hose gegangen. Bay schafft es aber perfekt, eine Verbindung zu erschaffen (wobei ich mir denke, dass wohl Spielberg hier gut mitgemischt hat), was den Film, zusätzlich zu den Gags und der schauspielerischen Leistungen, unheimlich bessert. Die Darsteller, finde ich, sind durchaus talentiert und zeigen es auch. Shia LaBeoufs Rolle ist einfach genial, Megan Fox erledigt ihre Hausaufgaben als sexy Begleitung, John Turturro gibt einen herrlichen Auftritt, und Jon Voight kauft man seine Rolle allerzeit ab. Die Spezialeffekte, was war denn anders zu erwarten, sind wahrlich revolutionär. Was die Leute von ILM auf die Leindwand gezaubert haben, ist einfach atemberaubend. Die Roboter bestehen aus mehreren tausenden Einzelteilen, sogar wenn ihre Verwandlungen abgeschlossen sind bewegt sich immer irgendwas. Mechanisches Leben halt. Das Showdown am Ende des Films zeigt die wahrscheinlich größte Zerstörungsorgie der Filmgeschichte. So viel ist die Action, dass man manchmal sogar den Überblick verliert. Welcher Transformer verwandelt sich da gerade dermaßen toll, weicht Raketen aus, springt den Gegner an und rollt dann in Autogestalt weiter? Manchmal hat man echt Probleme mitzukommen und man muss sich sogar Sätze wie "Du bist jetzt ein Soldat" anhören.

Natürlich ist "Transformers" kein Meisterwerk der Filmgeschichte. Will er auch gar nicht sein. Der Film ist das, was er ist, und so funktioniert er perfekt. Es gibt ein Action- und Witzbüffet, dazu noch das Showdown als Dessert und Megan Fox, sowie die anderen Darsteller als Sahnehäubchen dazu. Doch wieso gebe ich dem Film keine 10/10, 5 Sterne? Es gibt diese Filme, die was besonderen haben und eben dadurch die vollen 5 Sterne verdienen. Einer dieser Filme ist "Transformers", wie oben schon erwähnt, nicht. Es sind Kleinigkeiten, wie z.B. manche Subplots, die die Handlung nur belasten (die zwei Hacker), dazu manche Mängel am Drehbuch (ich wiederhole den Satz: Du bist jetzt ein Soldat) und fast zu viel Action-Fetischismus, die die Gesamtnote auf eine 8/10, also 4 Sterne, schrumpfen lassen.

Kurzfazit: Bester Popkornfilm seit Jahren.

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Geschrieben von ChristianLazar über The Ideal Crash Star5
08.12.2006 17:26

Ich bekam "The Ideal Crash" geschenkt. Von meiner Freundin. Ohne einen Grund dafür zu haben. Es war ein normaler Tag. Damals war diese auch eine normale Platte.
Das ist sie nicht mehr. "The Ideal Crash" ist ein Schatz.
Denn dEUS muss erst zünden, glaube ich. Wenn dEUS aber mal gezündet hat, verlegt alle eure Termine oder sozialen Kompromisse um geschätzte 2 Wochen. Diese Platte ist einfach dermassen homogen und einzigartig, dass man sie einen ganzen Tag lang durchhören könnte. Die Songs besitzen eine magische Anziehungskraft, wenn ich nur an "Sister Dew" denke, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Und dann dieser Übergang zu "One Advice, Space". Diese Gitarre bei "The Magic Hour". Diese Texte. Diese Stimme. Dieses Album wirkt nach einer Zeit. Um es zu lieben, muss man dem Werk Zeit geben. Glaubt mir, diese Platte ist göttergleich und zieht mit Radiohead und Sigur Rós gleich.
dEUS hat einen neuen Fan.

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Geschrieben von ChristianLazar über Es Star5
08.12.2006 17:25

Untote am Wasserturm, Monster am Fluss, ein Werwolf und ein Selbstmord. Das hängt alles zusammen. Wie? Mr. King zeigt es uns auf über 1000 Seiten, bei denen man vor lauter Spannung garnicht blinzeln möchte. Im Buch geht es um 7 Freunde, die in ihrer Kindheit ein Schrecken erleben, der nicht mit einem klaren Begriff auszuzeichnen ist. Dieses "es" wird von den 7 verletzt, sie dachten aber, "es" sei tot. Haha, denkste! 27 Jahre später ist "es" wieder da und fängt an, Kinder auf grausame Arten und Weisen zu ermorden. Nun haben die sieben Freunde in ihrer Kindheit eine Schwur abgelegt: Sobald "es" zurück käme, wären sie zur Stelle und würden "es" erneut verjagen. Es kommt, wie es kommen soll, sie treffen sich. Es gibt aber ein Problem. Einer fehlt. Und ausserdem kann sich keiner von den restlichen 6 genau daran erinnern, was damals geschah, es kommt nur bruchstückhaft im Laufe der Geschichte raus. Die 6 werden auf viele harte Hindernisse und Mutproben stossen, bei denen sie jedes mal ihr bestes geben müssen und ihre Freundschaft und Liebe zueinander beweisen müssen, um alles zu überstehen. Denn nur die wahre Kraft des Guten kann gegen den namenslosen Schrecken bestehen, denn jeder Einzelne wird seiner persönlichen grössten Angst konfrontiert. Doch "es" ist stark...und hat viele Helfer.
Insgesamt ist das Buch ein totales Meisterwerk, spannend wie kein anderer Roman. Dieses Buch zu lesen, ist ein Muss für jeden.

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Geschrieben von ChristianLazar über Ágætis Byrjun Star5
13.04.2006 22:02

Alles fing mit Vanilla Sky an.
Der Soundtrack zum Film haute mich um. Sigur Rós ist auf dem Soundtrack. Mit Svefn-g-Englar, dem bekanntesten Stück dieser Platte. Ich dachte mir, ich wollte diese Band mal besser kennenlernen und kaufte mir "Agaetis Byrjun". Ich glaube, mir ist ausgegebenes Geld noch nie sinnvoller vorgekommen.
Svefn-g-Englar kennt ja jeder. Stille im Ozean. Blau. Man schwimmt wahrlich in der Musik, man wird von ihr umschlossen. Bei Starálfur gehts an die Wasseroberfläche. Der Sonne entgegenblickend. Und wenn man die Starálfur-Streicher am Ende gehört hat, weiss man, wie es im Himmel aussieht. Flugufrelsarinn ist kühl, wie ein Wintermorgen. Vernebelt. Mysteriös. Bei Ný Batterí wickelt sich Jónsis Gesang um die Basslinie wie eine Schlange. Der Sound wird immer dichter, bis zur Explosion am Ende. Dann kommt der Gipfel des Unfassbaren. Hjartad Hamast. Wahnsinn. Dieser Song ist episch, gross und erhaben. In Vidrar Vel Til Loftárása baut Sigur Rós eine einzigartig melancholische Stimmung auf, die sie am Ende mit Violinen zerstören. Mit Olsen Olsen und Ágaetis Byrjun geht es jetzt eher ruhig weiter. Der Ausklang des Albums mit Avalon hat etwas düsteres, interessantes.
Ein strahlender Diamant der europäischen Musik, aus dem kalten Island.